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registrierte Criollos gibt es in Südamerika
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km ritt Aimé Félix Tschiffely 1925-1928 mit Gato und Mancha.
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Kilometer legt ein Criollo in der Marcha zurück.

Der Criollo ist das Arbeitspferd der südamerikanischen Gauchos: leistungsbereit, nervenstark, intelligent, umgänglich und außergewöhnlich langlebig. Rund drei Jahrhunderte natürlicher Selektion in der Pampa haben ein Pferd geformt, das mit wenig auskommt und viel leistet.

Wie viel, zeigt die Marcha, die traditionelle Leistungsprüfung der Rasse in ihrer Heimat: 750 Kilometer in rund zwei Wochen, aufgeteilt in Tagesetappen. Das Mindestgewicht von Reiter und Ausrüstung beträgt 90 kg und wird vor jeder Etappe kontrolliert. Kraftfutter ist verboten – zwischen den Etappen stehen die Pferde auf der Weide. Gewertet wird am Ende nicht die Geschwindigkeit allein, sondern wie gut sich ein Pferd erholt.

In Deutschland findet der Criollo seinen Platz vor allem im Wander- und Freizeitreiten, im Distanzsport, in der Working Equitation und im Westernreitsport.

Sie überlegen, einen Criollo zu kaufen? In unserem Ratgeber Pferdekauf haben wir zusammengefasst, worauf Sie achten sollten.

Criollos sind gesund, ausdauernd, wendig und extrem trittsicher. 

Eigenschaften und Hauptmerkmale

HerkunftSüdamerika, Uruguay, Argentinien, Brasilien und Paraguay 
GrößeMindestens 138 cm bis maximal 150 cm; Ideal: 144 cm bis 148 cm
FarbenAlle Farben jedoch keine Tigerschecken. Falben und dunkle Farben bevorzugt. Tiere mit ausgedehnten Weißanteil sind unerwünscht.
Gebäude
Kopf
Kurzer Kopf, kurzes Nasenbein, gerades bis leicht konvexes Profil, kleine Ohren, große, ausdrucksvolle, eher seitlich angesetzte Augen, feinlippiges, eher kleines Maul, bewegliche Nüstern, lebhafter Ausdruck, gut bemuskelte Ganaschen, gute Ganaschenfreiheit
HalsBreit angesetzt, kräftig, muskulös und mittellang, auch bei Stuten; im Genick breit, mit üppiger langer Mähne und fast gerader Unterlinie
Körper

Im Rechteck stehend, genügend Widerrist, gute Rumpftiefe, halbschräge Kruppe, Schweif üppig behaart und eher tief angesetzt, breite, tiefe Brust, schräge, stark bemuskelte Schulter

Brustumfang (ausgewachsenes Pferdes): Mittelmaß bei Stuten ca. 180 cm und bei Hengsten ca. 178 cm; die Abweichungen bei den Maßen müssen in Harmonie zur Größe des Pferdes stehen

FundamentKlare, kräftige Gelenke und Sehnen, gut bis stark entwickelte Muskulatur, bei korrekter Stellung der Extremitäten, kurzes Röhrbein, Hufgröße entsprechend der Beinstärke, gute Hornqualität und dunkle Hufe bevorzugt. Röhrbeinumfang: Mittelmaß bei Hengsten ca. 19 cm und bei Stuten ca. 18 cm
BewegungsablaufFleißiger Schritt mit mittlerem Raumgriff, Trab mit mittlerem Raumgriff ohne starke Knieaktion, Galopp rund bei guter Aufrichtung. Alle Gangarten leichtfüßig und trittsicher.
EinsatzmöglichkeitenIn den Ursprungsländern werden Criollos traditionell für die Arbeit mit Rindern und Schafen verwendet. Zunehmend gibt es die Zucht von Criollos für sehr anspruchsvolle sportliche Wettbewerbe, insbesondere Rittigkeitsprüfungen, Rinderarbeit und Ausdauerritte.
Besondere MerkmaleLeistungsbereites und sehr ausdauerndes Pferd; nervenstark, intelligent, gehorsam und langlebig
Rassestandard der FNDownload - 115 kB
Zuchtprogramm für die Rasse Criollo des Bayerischen Zuchtverbandes
für Kleinpferde und Spezialpferderassen e. V.
Download

Criollo, dem Rassestandard entsprechend

Mestizo

Beispiele für Fremdeinflüsse (Vollblut): Kopfform, Hals, hoher Widerrist, steile Schulter, Rückenlinie

GESCHICHTE

Die Entstehung des CRIOLLO in Südamerika

Der Criollo ist die Pferderasse des Cono Sur. Sein Verbreitungsgebiet reicht von der argentinischen Pampa über die uruguayische Cuchilla und die brasilianische Campanha bis in den paraguayischen Chaco. In jedem dieser Länder hat sich die Rasse etwas anders entwickelt – gemeinsam ist ihr überall dasselbe: Sie ist nicht am Reißbrett entstanden, sondern durch rund 300 Jahre natürliche Selektion in einer Umgebung, die keine Schwäche verzeiht.

Vor den Spaniern: Pferde ohne Nachkommen

Südamerika hatte eigene Pferde. Im Pleistozän lebten hier die Gattung Hippidion sowie Equus neogeus, beide über die mittelamerikanische Landbrücke aus Nordamerika eingewandert. Am Übergang vom Pleistozän zum Holozän, vor etwa 10.000 Jahren, starben sie im Zuge der quartären Aussterbewelle vollständig aus – begünstigt durch den Klimawandel am Ende der letzten Kaltzeit und vermutlich durch die Ankunft des Menschen.

Als die Europäer Ende des 15. Jahrhunderts eintrafen, war von diesen Pferden keinerlei Erinnerung geblieben. Es gab in Amerika kein Tier, das mehr tragen konnte als ein Mensch – mit Ausnahme des Lamas, dessen Verbreitung sich im Wesentlichen auf den Andenraum beschränkte.

Die iberischen Wurzeln

Der Criollo stammt vom iberischen Pferd ab, das die spanischen Eroberer mitbrachten: eine genetische Mischung aus nordafrikanischem Berberpferd, dem Pferd des Guadalquivir-Tals in Andalusien und den robusten Arbeitspferden, die man in Spanien jacas oder rocines nannte.

Entscheidend ist: Das waren keine ausgesuchten Zuchtpferde. Verschifft wurden zähe Gebrauchspferde – und genau das prägt den Criollo bis heute. Die spanische Krone förderte den Transport von Vieh und großen Pferde-, Esel- und Maultierherden aktiv, um die Wirtschaft der Vizekönigreiche in Gang zu bringen; die Einfuhr verlief parallel zum Aufbau von Straßen und Poststationen. Solange die Pferde knapp waren, waren sie wegen ihres praktischen und militärischen Wertes außerordentlich teuer.

Nach Argentinien gelangten die ersten Pferde auf zwei Wegen: 1535 über den Norden mit dem Zug des Diego de Almagro aus Peru und Oberperu – und fast gleichzeitig über den Hafen von Buenos Aires. Der Oststrom gilt als der bedeutendere: Seit den 1530er Jahren kam über den Río de la Plata massenhaft Vieh aus Andalusien ins Land. Dazu gehörten die Pferde, die Pedro de Mendoza 1536 bei der ersten Gründung von Buenos Aires mitbrachte.

Als Mendoza die Siedlung unter dem Druck der indigenen Verteidigung wieder aufgeben musste, blieben die Pferde zurück. In den Grasbiomen und im gemäßigten Klima der feuchten Pampa vermehrten sie sich außerordentlich. Als Juan de Garay 1580 am Río de la Plata eintraf, beschrieb er die Pferdeherden als „fantastisch" – zahlreich und von ausgezeichneter Qualität.

Rund 300 Jahre natürliche Selektion

Was danach folgte, ist der eigentliche Ursprung der Rasse. Die verwilderten Herden – baguales oder cimarrones genannt – waren rechtlich Besitz der spanischen Krone (realengos), praktisch aber standen sie jedem offen, der sie sich holen konnte.

Es überlebten nur die Härtesten: Pferde, die mit Puma und Raubtieren zurechtkamen, mit Dürre, Frost, Überschwemmung und mit Weiden, deren Nährwert stark schwankte. Kein Züchter griff ein, kein Kraftfutter, keine Stallhaltung. Herausgekommen ist ein kleines, kompaktes, außergewöhnlich widerstandsfähiges Pferd mit tiefem Schwerpunkt, kurzem Röhrbein, hartem Horn und einer Nervenstärke, die sich nicht anzüchten lässt – bevorzugt in dunklen und falbfarbenen Nuancen, die in der Pampa auch die beste Tarnung waren.

Das Pferd der indigenen Reitervölker und der Gauchos

Die indigenen Völker passten sich dem „Eindringling" erstaunlich schnell an. Zunächst nutzten sie das Pferd als Nahrung, später entwickelte sich eine enge, symbiotische Beziehung: Mapuche, Tehuelche und Ranquel wurden innerhalb weniger Generationen zu Reitervölkern. Ihre weitgehend gewaltfreie Zureitmethode, die doma india, wird bis heute erforscht und findet in modernen Ausbildungsansätzen ihre Entsprechung.

Für die freien Landbewohner – die späteren Gauchos – wurde das Pferd Lebensgrundlage und Statussymbol zugleich. Der Gaucho schätzt am Criollo vor allem die Ausdauer. Bei der Rancharbeit wird täglich geritten; nach etwa einer Woche wechselt das Pferd und kommt zur Erholung auf die Weide, die zugleich die einzige Futterquelle ist. Weil es ein Gebrauchspferd sein muss, wird die Mähne geschoren und der Schweif oft gestutzt – damit das Pferd in Dornen und Gestrüpp nicht hängenbleibt.

Unabhängigkeitskriege

In den südamerikanischen Unabhängigkeitskriegen ab 1810 wurden fast ausschließlich Criollos eingesetzt – andere Rassen waren bis dahin kaum ins Land gekommen. Die Ritte über die Anden und die enormen Distanzen der Feldzüge waren ohne diese Pferde nicht zu bewältigen.

Beinahe verloren

Nach der Unabhängigkeit setzte eine umfassende Europäisierung ein, und das galt auch für die Pferdezucht. Der Criollo wurde vernachlässigt und in der Überzeugung, ihn zu „verbessern", mit englischem Vollblut und schweren europäischen Rassen gekreuzt. Man erhielt größere und schnellere Pferde – auf Kosten von Ermüdungsresistenz, Genügsamkeit und Härte. Um 1900 war der ursprüngliche Criollo kaum noch zu finden.

Zu verdanken ist seine Rettung im Wesentlichen Dr. Emilio Solanet (1887–1979), Tierarzt und Zootechniker. Er ging von der Überlegung aus, dass sich unvermischte Bestände nur dort erhalten haben konnten, wo die Bedingungen am härtesten waren: in Patagonien. Bei den Tehuelche am Río Senguer in Chubut – aus den Herden der Kaziken Liempichún und seines Bruders – erwarb er ab etwa 1911 Stuten und Hengste und baute daraus auf seiner Estancia El Cardal bei Ayacucho den Grundstock auf. Diese Tiere sind es, die in den Abstammungsnachweisen bis heute mit „B" für Basispferd gekennzeichnet sind.

  • 1917/1918 – die Sociedad Rural Argentina eröffnet das Zuchtbuch für die Rasse Criolla
  • 1922 – Solanets Rassestandard wird offiziell anerkannt
  • 16. Juni 1923 – 40 Züchter gründen die Asociación de Criadores de Caballos Criollos (ACCC)

Gato und Mancha – der Beweis

Zwei von Solanets patagonischen Pferden traten den Beweis an, den keine Zuchtschau erbringen kann. Zwischen 1925 und 1928 ritt der Schweizer Lehrer Aimé Félix Tschiffely mit den Criollos Gato und Mancha von Buenos Aires nach New York – rund 21.500 Kilometer durch Anden, Wüste und Tropen, über Pässe von mehr als 5.000 Metern. Beide Pferde kamen an und lebten danach noch über zwanzig Jahre. 2025 jährte sich der Beginn dieses Rittes zum hundertsten Mal.

Criollozucht in Südamerika heute

Die Zuchtbücher werden von den traditionsreichen Rural-Gesellschaften und Rasseverbänden geführt: in Argentinien von der Sociedad Rural Argentina (SRA) in Zusammenarbeit mit der ACCC, in Uruguay von der Asociación Rural del Uruguay (ARU) gemeinsam mit der SCCCU, in Brasilien von der ABCCC, in Paraguay von der ACCCP.

Diese Verbände sind privatrechtliche Institutionen – die SRA besteht seit 1866, die ARU seit 1871 –, ihre Zuchtbücher haben aber staatlich anerkannten Charakter und unterliegen der Aufsicht der jeweiligen Landwirtschaftsministerien. In Argentinien beweist die Eintragung nach dem Gesetz Nr. 20.378 Herkunft, Qualität und Eigentum an einem Pedigree-Pferd; der Eigentumsübergang beim Verkauf wird erst mit der Umschreibung im Zuchtbuch rechtswirksam. In Brasilien überträgt das Landwirtschaftsministerium MAPA die Führung des Registro Genealógico förmlich an die ABCCC. Ein Criollo-Papier aus Südamerika ist also mehr als eine Vereinsbescheinigung – es ist ein staatlich anerkanntes Eigentums- und Abstammungsdokument.

Über der nationalen Ebene steht die FICCC – die Federación Internacional de Criadores de Caballos Criollos. Mitglieder sind Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay; der Rassestandard ist zwischen diesen Ländern weitgehend harmonisiert. Alle drei Jahre richtet die FICCC ihre internationale Ausstellung aus, faktisch die Weltmeisterschaft der Rasse. 2026 fand sie in der Rural del Prado in Montevideo statt, mit rund 300 Pferden aus den vier Mitgliedsländern.

Für uns wichtig: Der CRZVD ist seit 2009 assoziiertes Mitglied der FICCC – gemeinsam mit den Verbänden aus Italien, Frankreich und der Schweiz.

Wie selektiert wird

Der Grundsatz ist unverändert: Gezüchtet wird nach dem Zuchtziel, und wer im Arbeitsalltag nicht brauchbar ist, kommt nicht in die Zucht. Tiere, die durch Krankheit oder durch Schwierigkeiten im Umgang auffallen, werden ausgeschlossen. Die endgültige Eintragung erfolgt erst nach einer Inspektion ab etwa zweieinhalb Jahren, wenn das Stockmaß weitgehend erreicht ist. Wer dem Standard entspricht, wird anerkannt, eingetragen und mit dem Zeichen des Verbandes gebrannt.

Entscheidend ist aber, dass die Morphologie nur eine Säule ist. Die Selektion stützt sich in allen vier Ländern auf funktionale Prüfungen:

Marcha de Resistencia – die härteste Ausdauerprüfung der Rasse. 750 Kilometer in 14 Etappen (Argentinien) bzw. 15 Tagen (Brasilien). Das Mindestgewicht von Reiter und Ausrüstung beträgt nach FICCC-Reglement 90 kg und wird vor jeder Etappe kontrolliert. Kraftfutter ist verboten – die Pferde stehen zwischen den Etappen auf der Weide und bekommen Gras und Wasser, bei Bedarf Luzerne. Bereits 20 Tage vor dem Start werden die Tiere der Organisationskommission übergeben, damit alle unter gleichen Bedingungen antreten. Gewertet wird nicht Geschwindigkeit allein, sondern das Regenerationsvermögen: Der begehrteste Titel ist der Premio a la Rusticidad, der an das Pferd geht, das am Ende die besten Werte aufweist – also am ehesten weiterreiten könnte.

Rinderarbeit und Rittigkeit – Freio de Ouro und Paleteada (Brasilien), Freno de Oro, Aparte Campero, Rodeos und die Pruebas de Rienda (Argentinien). Sie prüfen Wendigkeit, Rittigkeit, Cow Sense und Nervenstärke unter Wettkampfbedingungen.

Diese Kombination – Exterieur, Ausdauer, Rinderarbeit – ist der Grund, warum der Criollo seine Gebrauchseigenschaften behalten hat, während sie bei vielen anderen Rassen der Zucht auf Bewegung und Größe zum Opfer gefallen sind.

Die Rasse in Zahlen

Der Criollo ist heute keine Nischenrasse, sondern die mit Abstand am stärksten wachsende Pferdepopulation Südamerikas.

  
Brasilien (ABCCC)über 500.000 registrierte Tiere insgesamt; rund 19.000 vorläufige und 12.300 endgültige Eintragungen allein 2025; etwa 80 % des Bestandes in Rio Grande do Sul
Argentinien (ACCC)rund 7.500 Registrierungen pro Jahr, geschätzter Gesamtbestand ca. 120.000 Pferde; über 1.650 Mitglieder, rund 1.750 Züchter, mehr als 4.600 lizenzierte Reiter und über 1.000 funktionale Qualifikationsprüfungen jährlich
Uruguay (SCCCU)rund 6.000 Fohlen jährlich in den Zuchtbüchern der ARU – etwa 85 % aller in Uruguay eingetragenen Pedigree-Fohlen
Paraguay (ACCCP)2026 wurde das 50-jährige Bestehen des Verbandes gefeiert

In Argentinien ist der Criollo als Caballo Nacional und Kulturerbe anerkannt, in Uruguay wurde er am 18. November 2004 zum „Patrimonio Cultural Intangible" erklärt.

Wie der CRIOLLO nach Europa kam

Die Geschichte des Criollo in Europa beginnt nicht mit Züchtern und auch nicht mit Reitern. Sie beginnt mit einer Dürre, mit leeren Schiffsladeräumen und mit dem italienischen Pferdefleischmarkt. Das ist kein Ruhmesblatt – aber es gehört zur Wahrheit dieser Rasse in Europa, und ohne diesen Umweg gäbe es die heutige Zucht in Deutschland vermutlich nicht.

Die Schiffstransporte – von 1987/88 bis in die 2000er Jahre

Im Winter 1987/88 stellten Reeder aus Bari in Süditalien fest, dass ihre Schiffe auf der Rückroute vom Schafstransport in den Nahen Osten nicht ausgelastet waren. Zur selben Zeit herrschte in Südamerika eine schwere Dürre. Wer Pferde besaß, die den Rindern und Schafen das knappe Gras und Wasser wegnahmen, verkaufte sie – für einen Großhändler, der über Land fuhr, kostete ein Pferd damals kaum mehr als 25 US-Dollar.

Da in Italien traditionell Pferdefleisch verzehrt wird, entstand daraus ein lohnendes Geschäft: Schiffe mit bis zu 1.500 Schlachtpferden überquerten den Atlantik. Die Transportbedingungen waren miserabel; Verluste von bis zu 30 Prozent der Ladung nahm man in Kauf.

Was als Gelegenheitsgeschäft begann, wurde zur Dauereinrichtung. Die Transporte liefen bis 2007 – also über zwei Jahrzehnte hinweg. Die Bedingungen an Bord besserten sich im Lauf der Jahre, das Grundproblem blieb: Es handelte sich um Schlachttiertransporte, aus denen einzelne Pferde herausgekauft wurden.

Ein kleiner Teil dieser Pferde ging nie zum Schlachthof. Wer sich satteln und reiten ließ, wurde von Händlern weiterverkauft – vor allem nach Bayern. Dort wechselten die Tiere anfangs für 4.000 bis 6.000 DM den Besitzer. Unter Freizeitreitern sprach sich schnell herum, dass es diese ungewöhnlichen kleinen Pferde gab: bunt, mit Stehmähne und kurzem Schweif, trittsicher, unerschütterlich im Gelände.

Verkauft wurde in dieser Zeit praktisch alles, was diesem Bild entsprach – ob es tatsächlich aus Südamerika stammte oder nicht. Viele der Tiere waren durch die Reise schwer traumatisiert und für die Anfänger, denen man sie anbot, hoffnungslos überfordernd.

Die Equitana 1989 – der offizielle Weg scheitert

Fast parallel dazu versuchte man es auf seriösem Weg. Auf Initiative südamerikanischer Verbände stellten renommierte Züchter die in Deutschland unbekannte Rasse 1989 auf der Equitana in Essen vor: acht Criollos – sechs Wallache und zwei Stuten – wurden mit zwei Gauchos vier Wochen vor der Messe eingeflogen.

Die Erwartung war hoch. Wenn ein ausgebildetes Quarter Horse damals für 20.000 DM den Besitzer wechselte, so die Kalkulation, müsse für einen Criollo eher das Anderthalbfache zu erzielen sein. Es kam anders. Die Vorführungen – rasante Wendungen, harte Stopps, silberbeschlagenes Zaumzeug, hohe Fellsättel – trafen den Geschmack des deutschen Publikums nicht. Von der Messe weg wurde ein einziges Pferd verkauft; der Rest ging nach Monaten im Handelsstall für deutlich unter 8.000 DM ab. Der Europa-Auftritt endete als Verlustgeschäft, und der Plan, künftig ganze Flugzeuge mit Criollos nach Europa zu bringen, war fürs Erste erledigt.

Die Rasse kam also nicht über die Messe nach Europa, sondern über den Hafen von Bari.

Criollo oder Mestizo – eine ehrliche Bilanz

Die meisten Pferde aus den Schiffstransporten waren keine reinrassigen Criollos. Sie waren im Ursprungsland billig zu haben, weil sie dem Rassestandard nicht entsprachen und für die Zucht nicht in Frage kamen – oft Mischprodukte verschiedener Rassen, was sich mit etwas Fachkenntnis am Exterieur ablesen ließ: Hufe, die nicht zum Körper passten, eine Schulter, die nicht zum Hals passte, eine Rückenlinie, die nicht zur Kruppe passte. Manches Pferd, das mit geschorener Mähne und gestutztem Schweif als Criollo angeboten wurde, hatte Südamerika nie gesehen.

Zugleich waren taugliche und langlebige Tiere darunter, und viele ihrer Besitzer haben beste Erfahrungen gemacht. Wer die Verhaltensweisen dieser Pferde verstand und konsequent mit ihnen umging, hatte nach einiger Zeit ein außerordentlich zuverlässiges „Ein-Mann-Pferd".

Die Debatte zwischen Anhängern reiner Criollos und Freunden der Mestizos wird bis heute geführt. Aus historischer Sicht lässt sich dazu Folgendes festhalten: Ohne die Mestizos aus den Schiffstransporten gäbe es die etablierte Reinzucht in Deutschland nicht. Sie haben die Nachfrage geschaffen, aus der später die seriösen Importe und die deutsche Zucht hervorgingen.

Für die Zucht ist ein Abstammungsnachweis unverzichtbar – darüber gibt es keinen Streit. Über die Eignung eines Pferdes als Reit- und Freizeitpartner sagt er allein wenig aus. Diese beiden Aussagen widersprechen einander nicht.

Die Konsequenz, die der CRZVD daraus zieht, betrifft nicht die Pferde, sondern die Transporte: Wir setzen uns für seriöse und tiergerechte Importe ein und unterstützen ausschließlich solche. Wer heute einen Criollo sucht, findet in Deutschland und Europa geborene, artgerecht aufgewachsene Pferde in ausreichender Auswahl – das war in den 1990er Jahren noch anders.

Ankunft in Europa: worauf zu achten ist

Pferde aus Südamerika – ob Criollo oder Mestizo – brauchen mitunter bis zu anderthalb Jahre, um sich auf Klima, Futter und Haltung umzustellen. In ihrer Heimat haben sie ausschließlich auf der Weide gelebt, deren Nährstoffgehalt je nach Region und Jahreszeit stark schwankt.

Daraus folgt für die Haltung in Europa: Robusthaltung und möglichst eiweißarmes Futter. Üppige deutsche Weiden und gut gemeinte Kraftfuttergaben sind für diese Rasse kein Vorteil, sondern ein Risiko. Ein Criollo, der wie ein Warmblut gefüttert wird, verliert genau die Eigenschaften, für die man ihn schätzt.

Der Criollo in Europa heute

Aus der ungeordneten Anfangszeit ist inzwischen eine geregelte europäische Zuchtstruktur geworden.

Die europäischen Verbände

In vier europäischen Ländern bestehen eigene Criollo-Organisationen: der CRZVD in Deutschland, die ANACC in Italien, die AFECCC in Frankreich sowie ein Züchterkreis in der Schweiz, dessen Zuchtbuch der Schweizerische Verband für Ponys und Kleinpferde (SVPK) führt.

Alle vier sind mit der FICCC, der internationalen Dachorganisation der Criollo-Züchter, verbunden: Deutschland und Italien wurden 2009 bei der Zusammenkunft in Esteio als assoziierte Mitglieder aufgenommen, Frankreich folgte 2017 während der Expointer. Bei der Expo FICCC 2026 in Montevideo waren Vertreter aller vier europäischen Verbände anwesend.

Ursprungszuchtbuch und Filialzuchtbuch

Seit Geltung der EU-Tierzuchtverordnung ist die Zuständigkeit klar geregelt: Das Ursprungszuchtbuch der Rasse wird in Montevideo geführt – von der Asociación Rural del Uruguay für die SCCCU. Die deutschen Zuchtverbände führen Filialzuchtbücher und sind an die Grundsätze der Ursprungszuchtorganisation gebunden.

Ein eigenes Zuchtprogramm für die Rasse Criollo führen in Deutschland:

  • Bayerischer Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen e. V. (BZVKS), München – dem der CRZVD als assoziierter Verein angeschlossen ist. Sein Zuchtprogramm gilt für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
  • Verband der Pony- und Pferdezüchter Hessen e. V. (VPPH), Griesheim – mit Körungen und Stutbucheintragungen im Pferdezentrum Alsfeld
  • Zuchtverband für deutsche Pferde e. V. (ZfdP), Verden

Alle drei benennen dieselbe Ursprungszuchtorganisation in Uruguay, sodass die Papiere untereinander und international kompatibel sind.

Das Zuchtbuch der Rasse ist geschlossen, die Zuchtmethode ist die Reinzucht. Cruzados und ihre Nachzucht sind nicht eintragungsfähig; einen Aufstieg in das Criollo-Zuchtbuch gibt es für sie nicht. Aus der Zeit vor der Schließung stammen die Kategorien Base, Preparatorio I–III und Pedigree (Definitivo), die auf südamerikanischen Papieren bis heute auftauchen und darüber entscheiden, in welche Abteilung ein importiertes Pferd eingetragen werden kann.

Die Rasse in Zahlen

  
Bestand in Deutschlandknapp 1.300 reinrassige Criollos (Schätzung)
Mitglieder des CRZVD212
Assoziierte FICCC-Verbände in EuropaDeutschland, Italien, Frankreich, Schweiz

Gemessen an den Zahlen aus Südamerika ist das eine kleine Population. Gemessen an dem, was 1989 auf der Equitana zu sehen war, ist es ein bemerkenswerter Weg.

Der CRIOLLO in Deutschland

Die Rasse kam über einen Umweg nach Deutschland, den sich niemand ausgesucht hätte. Was daraus geworden ist, ist eine kleine, aber gefestigte Zucht mit klaren Regeln, einer eigenen Leistungsprüfung und einer Szene, die inzwischen in der dritten Generation reitet.

Der Freundeskreis Criollo

Nach den Schiffstransporten standen in Deutschland plötzlich hunderte Pferde, über die es kaum verlässliche Informationen gab. Die wenigen Veröffentlichungen schrieben meist voneinander ab. Wer ein solches Pferd gekauft hatte und beim Einfangen, Verladen oder Hufeauskratzen scheiterte, stand allein da.

Aus dieser Not entstand Anfang der 1990er Jahre der Freundeskreis Criollo, gegründet von Gabi Schürmann nach einem Aufruf in „Freizeit im Sattel" und dem Kontakt zu Conrad Hoyos. Es wurden Rundbriefe verschickt, Videos getauscht und Stammtische gegründet. Einige Mitglieder hatten in Südamerika gelebt – unter ihnen Adriana Faude und Mariella Superina, die Originalliteratur übersetzten. Zum ersten Mal wurde in Deutschland zusammengetragen, was diese Pferde eigentlich ausmacht: warum ein Criollo kopfscheu wirkt, warum er die Hufe nicht gibt, warum am Widerrist ein Mähnenschopf stehen bleibt, wie die Farbbezeichnungen der Gauchos funktionieren.

Der Freundeskreis wuchs rasch auf über 100 Mitglieder. 1993 fand in Zirndorf bei Fürth das erste Criollo-Treffen statt, zu dem Conrad Hoyos die reinrassigen Criollos mitbrachte, die er zwei Jahre zuvor gemeinsam mit Heino von Bassewitz importiert hatte. 1995 stellte der Freundeskreis seine Arbeit ein – seine Aufgabe war erfüllt, es gab nun einen Verein.

Der Rassestandard kommt nach Deutschland

1993 wurde der Rassestandard der FICCC ins Deutsche übersetzt und von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) übernommen. Damit existierte erstmals eine verbindliche Grundlage dafür, was in Deutschland ein Criollo ist – und was nicht.

1994 importierte Roger Kupfer mehrere Criollos per Flugzeug aus Uruguay. Über den damaligen bayerischen Zuchtleiter Wolfgang Kühn wurden 1995 die ersten Stuten eingetragen: der Beginn der Criollo-Zucht in Bayern. Im Norden liefen die Eintragungen über den Zuchtverband für deutsche Pferde.

1994: Gründung des CRZVD

Im Herbst 1994 wurde der Criollo Reit- und Zuchtverein Deutschland e. V. gegründet, mit dem Ziel, die reinrassige Zucht in Deutschland zu pflegen und die Eigenschaften der Rasse zu erhalten.

1995 folgte auf dem Kiesenhof bei Freystadt das dritte Criollo-Treffen mit der ersten Zuchtschau unter einem Richter aus Südamerika. Sein Urteil war unbequem und heilsam zugleich: Ein Teil der vorgestellten Pferde habe mit einem Criollo nichts gemein. Das stimmte – es waren Mestizos. Die Veranstaltung machte klar, wie viel Arbeit noch vor dem jungen Verein lag.

Der CRZVD ist dem Bayerischen Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen e. V. als assoziierter Verein angeschlossen. Dessen Criollo-Zuchtprogramm gilt für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Seit 2009 ist der CRZVD assoziiertes Mitglied der FICCC und damit direkt an die internationale Verbandsarbeit angebunden.

Die deutsche Leistungsprüfung

Die südamerikanische Marcha – 750 Kilometer in zwei Wochen unter Aufsicht – ließ sich in Deutschland nicht nachbilden. Trotzdem war früh klar, dass eine Rasse, die über Leistung selektiert wurde, auch hier über Leistung selektiert werden muss.

1996 startete in München-Riem der erste Anlauf: eine eintägige Feldprüfung mit zwei Hengsten, entwickelt von Zuchtleiter Wolfgang Kühn, Dr. Ute Heck-Reuther und Gabi Schürmann. Die Gewichtung wurde im Laufe der Jahre zugunsten der Ausdauer nachjustiert; der anfangs umstrittene Fremdreitertest hat sich bewährt.

Heute ist die Leistungsprüfung Voraussetzung für die Eintragung in die höherwertigen Abteilungen des Zuchtbuchs – Hengstbuch I, Prämien- und Leistungstitel. Alternativ können Erfolge im Distanz- und Westernsport anerkannt werden: im Distanzsport etwa 2.000 gewertete Kilometer nach VDD-Reglement oder eine festgelegte Punktzahl aus mittleren und langen Ritten.

Damit ist der CRZVD-Bereich einer der wenigen in Deutschland, in dem ein Zuchtbuch tatsächlich an nachgewiesene Ausdauerleistung geknüpft ist – ganz im Sinne des südamerikanischen Zuchtziels.

Die erste Criollozucht Deutschlands

In Mecklenburg, rund 30 Kilometer von der Ostsee entfernt, entstand auf Gut Dalwitz mit „La Primera" die erste Criollozucht Deutschlands. Die Initiatoren Heino von Bassewitz und Conrad Hoyos hatten mehrere Jahre in Uruguay gelebt und gearbeitet.

Der Betrieb wird ökologisch bewirtschaftet und hält seine Rinder ganzjährig im Freiland. Die Criollos leben ähnlich wie in den Ursprungsländern – ganzjährig auf der Weide, im Winter mit Heu zugefüttert – und werden bei der Rinderarbeit tatsächlich eingesetzt. Es ist einer der wenigen Orte in Deutschland, an denen die Rasse genau die Arbeit verrichtet, für die sie gezüchtet wurde.

Der Criollo im deutschen Reitsport

Die häufigste Verwendung ist nach wie vor das Freizeit- und Wanderreiten. Trittsicherheit, Genügsamkeit, Nervenstärke und Zuverlässigkeit im Gelände sind die Eigenschaften, wegen derer die meisten Reiter zu dieser Rasse kommen und bei ihr bleiben.

Darüber hinaus hat sich das Bild deutlich erweitert:

Working Equitation ist inzwischen die Disziplin, in der der Criollo seine Herkunft am unmittelbarsten ausspielen kann. Dressuraufgabe, Stiltrail, Speedtrail und Rinderarbeit greifen genau das auf, was die Rasse auf der Estancia leisten musste. Mut, Wendigkeit, Cow Sense und Arbeitsbereitschaft sind hier keine Zusatzqualifikation, sondern die Grundvoraussetzung.

Freno de Europa ist die europäische Adaption des südamerikanischen Freno de Oro – des achtstufigen Wettbewerbs, in dem Criollos morphologisch und funktional bewertet werden. Dazu kommt Criollos de América als Prüfung der Rinderarbeit.

Distanzsport ist die Disziplin, in der die rassetypische Ausdauer am direktesten messbar wird. Wie weit das trägt, hat Clemens Felser gezeigt, der mit einem Criollo den Jakobsweg bis Santiago de Compostela ritt und dabei mehrfach 100 Kilometer am Tag unter tierärztlicher Aufsicht bewältigte.

Westernreiten – Reining, Trail, Ranch Riding, Working Cowhorse – liegt dem Criollo ebenfalls. Gegen die Übermacht der Quarter Horses hat er es im Turniersport schwer, bringt aber ein stabileres Fundament mit: Der Röhrbeinumfang liegt bei ausgewachsenen Pferden im Mittel bei 19 cm.

Und schließlich: Rinderarbeit im Alltag, dort wo Betriebe sie noch praktizieren.

Ein Wort zur Ehrlichkeit

Der Criollo ist kein Anfängerpferd, auch wenn er in den 1990er Jahren als solches verkauft wurde. Er ist typischerweise ein Ein-Mann- oder Ein-Familien-Pferd: Fremden gegenüber zurückhaltend, eigenständig im Denken, mit einem ausgeprägten Bedürfnis nach körperlicher und geistiger Beschäftigung. Wer sein Vertrauen gewonnen hat, hat einen Partner, der überall mitgeht. Wer es nicht gewinnt, hat ein Problem.

Diese Offenheit liegt im Interesse der Rasse. Ein Großteil des Imageschadens der Anfangsjahre entstand daraus, dass Pferde an Menschen verkauft wurden, zu denen sie nicht passten. Wir sagen das lieber vorher.

Ebenso wichtig ist die Haltung: Robusthaltung, viel Bewegung, eiweißarmes Futter. Ein Criollo auf einer üppigen deutschen Weide mit Kraftfutterzulage ist gefährdet – Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen sind die typischen Folgen einer gut gemeinten, aber falschen Fütterung.

Zucht und Verband heute

Ein guter Teil der Diskussion um diese Rasse dreht sich bis heute um die Schiffstransporte aus Südamerika. Die liefen von 1987/88 bis mindestens 2004 – auch die zuletzt eingeführten Pferde sind damit heute weit über zwanzig Jahre alt, die ersten längst nicht mehr am Leben. Die weit überwiegende Mehrheit der Criollos, die heute in Deutschland stehen, ist hier geboren – artgerecht aufgewachsen, mit Papieren, ohne die Traumatisierung jener importierten Generation. Der Criollo in Deutschland ist kein Importpferd mehr.

Was sich seither verändert hat – auch beim Preis

Damit hat sich auch der Markt vollständig gewandelt, und das ist vielen noch nicht bewusst.

In den Jahren der Schiffstransporte kostete ein solches Pferd beim Händler zwischen 3.000 und 6.000 DM. Was man dafür bekam, war ein aus einem Schlachttiertransport herausgekauftes Tier: meist ohne Papiere, häufig nicht reinrassig, oft von der Überfahrt gezeichnet, mit unbekannter Vorgeschichte und ungewissem Alter. Günstig war daran der Preis – nicht das, was darauf folgte.

Heute liegt ein in Deutschland gezogener, eingetragener Criollo je nach Alter, Ausbildungsstand und Abstammung etwa bei 10.000 bis 12.000 Euro. Für gezielt per Flugzeug importierte Pferde aus Südamerika werden 20.000 bis 25.000 Euro und mehr aufgerufen.

Der Vergleich beider Zahlen führt allerdings in die Irre, denn es handelt sich schlicht nicht um dasselbe Produkt. Im Preis eines heutigen Criollos stecken: der Abstammungsnachweis und die Eintragung im Zuchtbuch, die Auswahl der Elterntiere nach Zuchtziel und Leistungsprüfung, eine Aufzucht unter kontrollierten Bedingungen, eine solide Grundausbildung, tierärztliche Betreuung von Anfang an – und im Fall eines Importes ein tiergerechter Lufttransport statt einer wochenlangen Schiffspassage.

Wer heute mit einer Preisvorstellung aus den 1990er Jahren zu einem Züchter kommt, wird enttäuscht. Diese Preise gab es, aber sie galten für etwas anderes.

Der günstigste Criollo ist ohnehin selten der billigste. Was in der Anschaffung gespart wird, kommt bei einem Pferd mit unklarer Vorgeschichte und lückenhafter Ausbildung über die folgenden zwanzig Jahre zuverlässig zurück. Worauf beim Kauf zu achten ist, haben wir im Ratgeber Pferdekauf zusammengefasst.

  
Geschätzter Bestand in Deutschlandknapp 1.300 reinrassige Criollos
Mitglieder im CRZVD212
Zuchtpopulation laut FN (Stand 2025)183 Stuten, 35 Hengste
Geltungsbereich des ZuchtprogrammsDeutschland, Österreich, Schweiz

Die aktive Zuchtbasis ist damit schmal – ein Umstand, der Sorgfalt bei der Hengstauswahl und den regelmäßigen Zufluss südamerikanischer Genetik nötig macht. Genau darin liegt eine der Kernaufgaben des CRZVD: den Kontakt zu den Ursprungsländern zu halten, Kooperationen mit dortigen Zuchtbetrieben aufzubauen und dafür zu sorgen, dass in Deutschland nach demselben Zuchtziel gezüchtet wird wie in Uruguay, Argentinien, Brasilien und Paraguay.

Dazu kommt die Öffentlichkeitsarbeit: die Rasse bekannt machen, Interessenten realistisch beraten, seriöse Importe unterstützen und Kontakte zu Züchtern und Gestüten vermitteln.

Einmal im Jahr treffen sich Züchter, Reiter und Freunde der Rasse zur Fiesta Criolla am Küffner-Hof in Langenbrettach – zu Wettbewerben und zum geselligen Beisammensein. Sie ist der Termin, an dem sich die deutsche Criollo-Szene versammelt.